i will always love you. a.
Nach gefühlten 10 Stunden liefen sie auf eine Garagenauffahrt zu. Das Haus war groß und überall brannte Licht. Dass dort eine Party im Gange war, erkannte man schnell an dem Geräuschpegel.
Alex holte sein Handy hervor und tippte darauf herum, bis er es sich an sein Ohr hielt. Konnten sie nicht einfach klingeln? Obwohl – Sara bezweifelte, dass das jemand hören würde.
„Pete? Bin draußen, wär super, wenn du mich 'reinlassen könntest.“
Hier wohnte Peter? Sara hatte gedacht, sie würden auf einen Geburtstag gehen, nicht auf einen von Peter's Partys.
Aber bevor Sara fragen konnte, ging die Haustür schon auf und Peter begrüßte Beide überschwänglich.
„Sorry, alter, aber ich hab echt keine Lust, dass sich das von letzter Woche wiederholt.“ Peter klopfte Alex entschuldigend auf die Schulter, als sie langsam eintraten.
Sara mischte sich ins Gespräch ein.
„Was war denn letztes Wochenende?“
Peter guckte von Sara zu Alex und wieder zurück und grinste.
„Kleine Massenschlägerei, dein Freund hier war sogar an vorderster Front!“
Alex verdrehte die Augen. „Ja, danke. Das wollte sie mit Sicherheit hören.“
Als Peter sich weiter um die Gäste kümmern wollte, hielt Alex ihn noch für einen kurzen Augenblick fest, flüsterte Peter etwas zu, was Sara nicht verstand. Dieser nickte darauf ernst und verschwand aus ihrem Blickfeld.
Nachdem sie ihre Jacke in die Garderobe gehängt hatten, musterte Sara zum ersten Mal bewusst ihr Umfeld. Es war ein geräumiges Haus. Eine offene Küche, ein Wohnzimmer mit vielen Sofas, einem Kamin. Alles sehr groß und jede Fläche wurde großzügig genutzt. Das Peter „legendäre“ Partys schmiss, das wusste sie ja, aber mit so vielen Leuten hatte sie auch wieder nicht gerechnet. Hier war von allem etwas dabei. Dünne, dicke, blonde, brünette, rothaarige, dunkelhaarige. Sara glaubte sogar einen pinkfarbenen Kopf irgendwo in der Ecke erkennen zu können.
Alex bemerkte wohl ihre Unsicherheit, denn er legte ihr sanft die Hand an ihren Rücken und beugte sich zu ihr vor. „Keine Sorge, die sind alle sehr viel harmloser, als sie aussehen.“
Doch sie hörte eine leichte Nervosität aus seiner Stimme heraus. Was hatte das zu bedeuten?
Plötzlich sprang ein kleines, blondes Mädchen auf sie zu. „ALEX!“
Wortwörtlich. Sie legte die Arme um Alex' Hals und klammerte sich mit ihren Beinen an seinen Hüften.
Ziemlich betrunken aber ebenfalls ziemlich hübsch, wie Sara neidisch feststellen musste.
Alex riss sich lachend von dem Mädchen los und nun bemerkte sie Sara wohl auch, denn sie riss kurz darauf den Mund weit auf und guckte Sara teils entsetzt, teils überrascht an.
„Oha! Deine Freundin ist ja wirklich wunderschön!“
Und mit diesen Worten wurde auch sie von dem blonden Mädchen stürmisch umarmt.
„Hi, ich bin Tine!“
Sara, die mit der Situation ein wenig überfordert war, trat einen Schritt zurück und musste lächeln. Scheinbar war Tine wohl zu jedem so überschwänglich.
Nach einem tiefen Seufzer lächelte sie das Mädchen, das so tat als wären sie schon lange Freundinnen, an.
„Sara.“
Und bevor sie sich versah nahm Tine sie an der Hand und führte sie in die Küche. Sara hatte gar keine Zeit sich nach Alex umzusehen, aber sie hoffte, er würde dicht hinter ihr bleiben, um notfalls Beschützer zu spielen.
Insgeheim freute sie sich, dass Tine sie Alex Freundin bezeichnet hatte. Sie würde das mal nicht richtig stellen. Vielleicht hatte Alex ja erzählt, dass sie zusammen waren? Und wenn? Das waren sie schließlich nicht, oder?
Mittlerweile hatte Tine zwei Gläser mit einer undefinierbaren Flüssigkeit in der Hand und reichte sie Sara.
Sara guckte misstrauisch. Sie wollte eigentlich nichts trinken. Und wo war Alex überhaupt hin?
„Ich trinke normalerweise nicht.“ Sie guckte Tine entschuldigend an in der Hoffnung, dass sie es sich bei ihrer scheinbaren neuen besten Freundin nicht vermasselt hatte.
Doch Tine schien das zu überhören und drückte es ihr in die Hand.
„Umso besser – dann feiern wir mal deine Entjungferung in Sachen Alkohol!“
Die letzten Worte schrie sie fast heraus und ein paar umherstehende Jungs grölten mit, als wäre es das Wahnsinnsevent schlechthin.
Aber, es konnte ja nicht schaden, oder? Sie sollte sowieso ein bisschen lockerer werden. Und bis Alex wieder da war hatte sie vielleicht ihre Schüchternheit überwunden.
Also hielt sie das Glas in die Höhe und stieß mit ein paar Leuten an, die immer noch laut „Entjungferung!“ riefen.
Und runter damit. Es schmeckte nicht einmal schlecht, vielleicht war gerade das das Problem.
„Und? Du und Alex, also?“ Tine zwickte sie neckend in die Seite.
Sara, die nach ein paar Schlücken mehr ein wenig redseliger geworden war, zuckte mit den Schultern.
„Ja, naja. Er ist toll. Aber ich weiß nicht genau, ob man ihm trauen kann.“
Tine stellte ihr Glas ab, nahm Sara's Hände in ihre und zwinkerte ihr zu.
„Er nimmt selten Mädchen hier her, also scheint es wohl was ernstes zu sein. Außerdem“, unterbrach sie sich und zeigte mit beiden Händen an Sara herauf und herunter „was Besseres als dich kriegt er sowieso nie!“
„Ohh.“ Sara hatte beschlossen, sie wirklich als ihre neue beste Freundin zu akzeptieren und nahm sie in einem sentimentalen Moment in die Arme.
Den Gedanken, dass der Alkohol etwas damit zu tun haben könnte, schob Sara mal bei Seite. Sie hatte einfach nur vor, einen schönen Abend zu haben und, als sie sich die Gäste so anguckte, war sie sich sicher, dass sie den haben würde.

Sara wusste gar nicht mehr, wie sie überhaupt nach Hause gekommen war, als sie schließlich auf ihrem Bett saß und hartnäckig versuchte ihr Blickfeld unter Kontrolle zu kriegen. Alles drehte sich. Sie erinnerte sich noch schemenhaft daran, dass ihr Bruder wach geworden war und ein leises, aber energisches Gespräch mit Alex geführt hatte. Sie wollte gar nicht wissen, was er gesagt hat. Was er jetzt wohl von seiner kleinen Schwester dachte, betrunken, wie sie war.
Eigentlich hatte sie doch fast den ganzen Abend nur bei Tine verbracht. Alex war eine ganze Zeit lang weg gewesen und als er wieder da war, konnte er anscheinend nur noch das Übel beseitigen und nach Hause bringen. Das Übel war in dem Fall sie selbst. Doch obwohl ihr schwindlig war, konnte sie in dem Moment nicht glücklicher sein. Alex war hier, bei ihr. Saß auf ihrem Bett, seine Hand leicht auf ihrer Schulter und guckte sie sorgenvoll an. Er machte sich Sorgen um sie! Dabei gab es dazu gar keinen Grund, ihr ging es so gut wie noch nie. Sie fühlte sich plötzlich so selbstbewusst und locker. Alex stand auf und kam kurz darauf mit einem Glas Wasser in der Hand aus dem Bad zurück. Er drückte es ihr behutsam in die Hand.
"Hier, trink."
Sara bemühte sich, nichts davon zu verschütten und trank ein paar Schlücke. Sie setzte ab, stellte das Glas auf ihr Nachtkästchen und grinste Alex an. Er erwiderte ihr Lächeln leicht verwirrt.
"Was?"
Sara zuckte mit den Schultern. "Nichts. Es ist schön, dass du da bist."
Vermutlich hätte sie sich nie getraut das zu sagen, aber sie fühlte sich so unbeschwert und konnte ihre Zuneigung nicht verbergen. Tausend Schmetterlinge schwirrten in ihrem Bauch herum.
Er lächelte sie an, während er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. Seine Augen lagen eine Zeit lang auf ihrem Mund.
"Du bist betrunken", murmelte er.
Sie wusste nicht, woher sie plötzlich den Mut nahm. Vielleicht lag es an Alex sanften Blick, der ihren Mund fixiert hatte, sodass sie gar nicht anders konnte, als daran zu denken, wie es wäre, wenn er seine Lippen auf ihre legen würde, doch in dem Moment konnte sie nicht anders.
"Küss mich."
Sara beobachtete seine Miene in dem Moment ganz genau. Seine Gedanken, die davor anscheinend noch weit weg gewesen waren, waren jetzt augenblicklich bei ihr. Er schien überrascht, fast ein wenig überrumpelt. "Sara.."
Sie verstand seine Reaktion nicht.
"Warum tust du es nicht? Das erste Date ist schon längst vorbei, weißt du.." Sie legte die Hand an seinen Hals. "Ich möchte wissen, wie es ist."
Alex Muskeln verkrampften sich, sie konnte seinen Puls unter ihrer Handfläche spüren.
Plötzlich stand er auf und entzog sich ihrer Berührung. "Das ist keine gute Idee" Er schaffte es nicht mal, sie anzuschauen.
Sara rutschte das Herz in die Hose. Was war denn jetzt los? Sie spürte schon, wie sich ein Kloß in ihrem Hals formte und Tränen drohten, an die Oberfläche zu kommen. Sie biss ihre Zähne zusammen und schluckte das Gefühl runter.
"Warum?"
Alex Blick wurde weicher und er setzte sich wieder zu ihr. Stumm guckte er ihr in die Augen und Sara hatte Angst, vor dem, was jetzt kommen würde. "Ich.." Sie merkte, dass er seine Kieferpartie anspannte, als er seinen Blick senkte. Er holte kurz Luft."Ich glaube einfach nicht, dass ich das gleiche empfinde, wie du für mich."
In dem Moment zerbrach irgendetwas in ihr. Ihr ganzer Körper war angespannt und hielt die Luft an. Während der ganzen Zeit hatte er sie nicht angeguckt und als er jetzt vorsichtig ihren Blick suchte, liefen Sara schon wortlos die Tränen über die Wangen. Sogar jetzt, als er sie bestürzt ansah und sie eigentlich an alles andere denken sollte, kam Sara nicht umhin, festzustellen, wie schön er war. "Hey.."
Sie schloss die Augen. Sie war zu verletzt, um irgendetwas zu erwidern. Alles, was sie noch herausbrachte war ein "Geh".
Langsam stand er auf, suchte scheinbar händeringend nach den richtigen Worten. Doch sie wollte nichts mehr hören.
"Ich hab gesagt, du sollst gehen."
Er ging trotzdem noch einen kleinen Schritt auf sie zu. "Sara.."
"Verschwinde, Alex.", sagte sie jetzt umso nachdrücklicher. Sie wendete den Kopf von ihm ab, wagte es nicht, ihn anzugucken.
Sie hörte, wie er sich langsam von ihr entfernte, die Tür aufmachte und noch einen Augenblick stehen blieb. "Es tut mir leid, Sara."
Und damit schloss er die Tür und war weg. Endgültig. Sara konnte ihre Tränen nicht weiter zurückhalten. Sie wusste nicht wie lang sie da lag und weinte, alle Verzweiflung vor sich hin schluchzte, der Kopf brummte ihr immer noch, doch irgendwann schlief sie ein und als sie aufwachte, war der Alptraum doch nicht nur ein Traum.
6.9.14 19:19
 


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